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BURGEN IN BERLIN UND BRANDENBURG

Schloß Schönhausen, Berlin Burgen in Berlin und in Brandenburg, gibt es die? Ja, aber anders als wir uns Burgen und Burgruinen vorstellen. Die bekanntesten dieser profanen oder ehemals profanen Bauwerke sind Schlösser, welche wir in der Mark Brandenburg reichlich vorfinden. Auch in Berlin selbst gibt es ja das Charlottenburger Schloss und das Schloss Bellevue. Und in Ostberlin das Schloss Schönhausen. Jene sind aber nicht das Thema dieser website. In dieser Chronik widmen wir uns in erster Linie den weniger bekannten Fortifikationen der Frühgeschichte und des Mittelalters, den sogenannten Burgwällen und slawischen Ringwällen.


Burg RabensteinZum Verständnis: Je nach Landschaftsform gestalten sich die Burgen unterschiedlich. Direkt ausgedrückt: Keine Burg oder Burgruine gleicht der anderen. Im Bergland sind sie auf Bergspitzen oder Bergspornen zu finden. Der strategische Aspekt spielte natürlich immer eine entscheidende Rolle. In Berlin oder Brandenburg ist diese Landschaftsform weniger vorhanden. Allenfalls im Fläming finden wir typische Burgen oder Burgruinen, wie zum Beispiel die Burg Rabenstein etwa 20 Kilometer nordwestlich von der Lutherstadt Wittenberg.


Im Flachland herrschen sogenannte Tieflandburgen oder Wasserschlösser vor. In Mecklenburg, Brandenburg und um Berlin finden wir Burgen- oder Ringwälle, die vornehmlich aus der vorgeschichtlichen Zeit bis in das frühe Mittelalter reichen. Jene sind natürlich weniger spektakulär. Sie liegen oftmals völlig verloren und unbekannt in der Landschaft und sind meist nur durch eine mehr oder weniger hohe Erhebung zu erkennen. Nur ein geringer Teil von ihnen ist auf Karten notiert. Das kann im Einzelfall auch Absicht sein, da man es vermeiden will, dass diese historischen Plätze gestört und damit immer mehr dem Verfall preisgegeben werden.


In den meisten Fällen werden die Ringwälle als ehemalige slawische Befestigungen erwähnt. Das liegt daran, dass die Slawen gegen Ende des ersten Jahrtausends diese Region besiedelten und im 11. Jahrhundert von den Askaniern verdrängt wurden. Vermutlich aber stammen einige dieser Befestigungen schon aus früherer Zeit. So wurden diese immer wieder von nachfolgenden Stämmen und Völkergruppen verändert, verbessert oder ausgebaut.


alte Berliner StadtmauerZu unserem kleinen Geschichtsunterricht gehören außerdem, ohne Anspruch auf wissenschaftliche Perfektion, die Stadtbefestigungen, Wehrkirchen und andere bedeutende historische Gebäude und Stätten. Wußten Sie, dass es in Berlin noch ein Stück originale Stadtmauer zu besichtigen gibt?


Hohes Haus SchriftEine Art Burg selbst stand im 13. Jahrhundert als das sogenannte "Hohe Haus" in Berlin. Strittig ist, ob es eine Burg oder eher ein befestigter Amtshof war, der später durch den Einbezug ins Stadtbild ohnehin seine strategische Bedeutung verlor. Der besagte Ort befand sich in der Nähe zwischen Rotem Rathaus und Fernsehturm. Bis vor kurzem konnte man auf dem Bürgersteinpflaster diese Stelle an einer Inschrift ausmachen. Heute ist von dieser original Berliner "Burg" im Märkischen Museum nur noch die Geschichte erhalten. Allerdings gibt es hier von diesen freigelegten Resten (die beim Bau des Kaufhauses Wertheim 1931 abgerissen wurden!) das originale ummauerte Tor und Fotos zu sehen!


Hinter dem Märkischen Museum in der Nähe des Bärenzwingers steht übrigens ein kurzer runder Turm, der an einen Bergfried erinnert (Bergfried: Höchster Turm und letzte Zuflucht auf einer Burg). Dieses runde Gebäude ist allerdings nur der Rest einer ehemaligen Mühle!




Bärenzwinger in BerlinWenig bekannt ist auch, dass im Zwinger das Wahrzeichen Berlins in Originalgrösse bewundert werden kann. Die Wärterin hat allerdings nichts dagegen, dass nicht mehr wie früher lärmende Schulklassen das Gelände stürmen. Beide Bären sind betagt und geniessen die Ruhe. Die meiste Zeit verweilen sie ohnehin im Innern des Gebäudes und man muss schon etwas Glück haben, wenn man sie im Freigehege antreffen will.


Berlin kann heute zwar keine Burg oder Burgruine vorweisen, dafür aber die Ruine der Franziskaner Klosterkirche (rechts im Bild). Im Jahre 1250 erbaut ist dieses Denkmal eines der bedeutendsten historischen Relikte sowie die älteste Fürstengrabstätte Berlins. Leider wurde das Kloster in den allerletzten Kriegstagen 1945 von einer Bombe getroffen. Auf dem  baugesicherten Areal werden heute vom "Förderverein Klosterruine" in unregelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.


Als ältestes erhaltenes Gebäude Berlins wird die Heilig-Geist-Kapelle in der Spandauer Strasse von den Touristen wenig beachtet. Um 1300 als Kapelle des Hospitals "Zum Heiligen Geist" erbaut, gehört das formidabel renovierte bzw. restaurierte Gebäude heute zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität. Der Raum, welcher vor der Wende zeitweise als Mensa, heute aber glücklicherweise nur für festliche Anlässe genutzt wird, kann in einem zeitlich begrenzten Rahmen besichtigt werden (website konsultieren).



Eine kleine "Burgruine" gibt es dennoch, wenn auch nicht direkt in Berlin, sondern wenige Schritte über die Grenze in Groß Glienicke, 38 Jahre lang unerreichbar, da die DDR Grenze den Zugang versperrte. Die lange Zeit zugewucherte Ruine (von Dornröschen? Nein!) gehörte zum Rittergut, dessen Geschichte immerhin bis 1375 zurückreicht. An der alten Strasse, die von 2 Toren gesäumt wird, finden wie diese echt aussehende Ruine mitten im kleinen Wald! Im 19. Jahrhundert wurden solche Bauwerke gern als i-Tüpfelchen in Landschaftsparks eingebunden.


Hiermit ist unsere kleine Einführung in die frühgeschichtliche und mittelalterliche Historie Berlins und Umgebung mit Bezug auf älteste Bausubstanzen vorerst abgeschlossen. Was nun folgt ist eine spezifische Auflistung aller Burgen und Burgruinen dieser Region in vorerst loser Reihenfolge. Zu einem späteren Zeitpunkt werden diese Stätten in chronologischer Form mit Wegbeschreibung in einem Burgeninventar Berlin organisiert.


RÖMERSCHANZE BEI SACROW

Römerschanze 025 kleinRömerschanze 013 kleinDie beeindruckende Befestigungsanlage aus der Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) befindet sich am Ufer des Lehnitzsees auf einer Anhöhe (Bild rechts). Der ursprünglich 6 Meter hohe Wall hatte drei Tore, ein Südtor, ein Westtor und ein Tor zum Seeufer. Das südliche Haupttor war als sogenanntes Zangentor mit einem hölzernen Wachturm konstruiert (Bild links). Nachdem man die Anhöhe von etwa 20 Metern erklommen hat, blickt man auf eine Innenfläche, in der zeitweilig 1000 Menschen leben konnten. 

Römerschanze 038 kleinWie fast alle ähnlichen Wallburgen wurde auch die Römerschanze über einen langen Zeitraum genutzt, zuletzt von den Slawen bis in das 13. Jahrhundert. Da die hiesige Region vom 7. bis Anfang des 11. Jahrhundert offensichtlich menschenleer gewesen war, haben die Slawen das Land genutzt, bis sie schließlich, mehr oder weniger friedlich, von den Askaniern verdrängt oder assimiliert wurden (Bild rechts: Wall Richtung Norden).

Römerschanze im WinterDer wirkliche Name der Befestigung ist nicht bekannt. Die Begriffe "Römerschanze", "Räuberschanze" oder "Königswall" wurden später erfunden. Es erscheint auch wenig wahrscheinlich, dass hier wirklich die Römer geweilt haben, da diese nachweislich nur bis zur Elbe gekommen waren. Ebenso kennen wir keine Namen der Menschen und deren Herrscher oder Fürsten, was wirklich schade ist. Es gibt keine Aufzeichnungen, nicht einmal Runen, die uns diese Geheimnisse verraten könnten
(Bild rechts: Osttor).


Wird fortgesetzt!


Bildnachweis:

Bild 1: Schloss Schönhausen
Bild 2: Burg Rabenstein
Bild 3: Fliehburg Schwedenschanze in Buckow
Bild 4: Stadtmauer in Berlin (Waisenstrasse)
Bild 5: Inschrift Hohes Haus
Bild 6: Mühlenstumpf hinter dem Märkischen Museum
Bild 7: Bärenzwinger
Bild 8: Klosterruine
Bild 9: Heilig-Geist-Kapelle
Bild 10: "Burgruine" Groß Glienicke (Foto: Inge Hellmund)


Alle Fotos, falls nicht anders angegeben: Norbert Hanke

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